Wir leben in einer Zeit ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Krisen. Viele Menschen spüren, dass ein tiefgehender Wandel nötig ist, wissen aber nicht, wo sie ansetzen sollen. Die Wegwarte ist ein Ort der Unterstützung an genau dieser Stelle: Wir begleiten Menschen darin, ihren Platz in diesem Wandel zu finden und einzunehmen.
Eine Gesellschaft, die so stark von ihrer Art zu wirtschaften geprägt ist, lässt sich nicht verändern, ohne dass Alternativen ausprobiert und erfahrbar werden. Im ehemaligen Hotel zur Warte in Nordhessen, das wir mit viel Unterstützung kaufen konnten, schaffen wir deshalb mit dem Bildungshaus einen Lern- und Forschungsraum – mit Kopf, Herz und Hand und im Zusammenspiel mit der mehr-als-menschlichen Welt.
Unter dem Dach der Wegwarte gibt es neben dem Bildungshaus ein Gasthaus, eine Samengärtnerei mit Selbstversorgungsgarten und ein Badehaus. Sie sind unterschiedlich weit – manches läuft schon, anderes ruht gerade. Wir probieren ganz praktisch aus, wie wir uns regional und solidarisch mit dem versorgen können, was wir zum Leben brauchen.
In der Lern- und Forschungszeit erforschen bis zu 24 Erwachsene, wie Gegenseitigkeit, Fürsorge und Selbstorganisation im Alltag gelingen können – ein Teil lebt vor Ort, ein Teil kommt zu monatlichen Intensivzeiten.
Zusätzlich finden das ganze Jahr über Veranstaltungen statt: Seminare und Workshops, Abende zum Austausch, Musik und vieles mehr. Einige gestalten wir selbst, andere bieten Menschen und Gruppen an, die unsere Räume nutzen.
Das ehemalige Gasthaus zur Warte bietet Räume und Übernachtung für Seminare, Versammlungen und Feiern.
Die Kneipe ist bis auf Weiteres geschlossen – wir möchten sie wieder zu einem Ort der Begegnung machen.
In der Wegwarte gibt es ein kleines Hallenbad (4 × 8 m) und eine Sauna. Da Witzenhausen kein städtisches Hallenbad hat, würden wir beides gern möglichst vielen Menschen zugänglich machen – als gemeinschaftsgetragenes Badehaus. Im Moment ruht dieses Vorhaben. Wenn du Lust und Erfahrung hast, es mit uns voranzubringen, melde dich gern.
In der Samengärtnerei wird biologisches Gemüsesaatgut für den Erwerbsgemüsebau produziert und über das Netzwerk teilsam – Solidarischer Samenbau gemeinschaftsgetragen in die Welt gegeben. Darüber hinaus gibt es einen Selbstversorgungsgarten, der die Menschen und Gäste der Wegwarte mitversorgt.
Gegenseitigkeit behutsam einüben: Von Mitte Februar bis Oktober 2027 erforschen wir Commoning und somatisch-politische Praxis – vor Ort oder in monatlichen Intensivzeiten. Für beide Gruppen sind noch Plätze frei.
In der Wegwarte finden laufend Veranstaltungen statt. Schau, was gerade geplant ist und wo du gern dabei sein magst!
Die Wegwarte lebt davon, dass viele Menschen sie mittragen – mit einem kontinuierlichen Beitrag, einem Direktkredit, einer Spende oder mit helfenden Händen.
Direktkredite gesucht. Um einen größeren Kredit abzulösen, suchen wir derzeit neue Direktkredite – insgesamt rund 100.000 €.
Ein Narrativ geht zu Ende, das uns wahrscheinlich mehr geprägt hat, als wir wahrhaben wollen. Auf seiner Logik beruhen alle Strukturen, mit denen wir unser tägliches Leben organisieren. Wie geht es uns an dieser Schwelle? Eine Annäherung.
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Biogärtnerin, Samenbauerin, Regionalwissenschaftlerin (Dipl.) und Commons-Brillenträgerin
Nach dem Studium wollte ich meinen Teil zur Verbesserung dieser Welt beitragen und versuchte es in der Entwicklungszusammenarbeit und im Umweltschutz. Mit den klassischen Lohnarbeitsverhältnissen tat ich mich aber schwer. Ich fühlte mich in meinem Bürojob schlicht nicht artgerecht gehalten. Freude bereiteten mir eher die Dinge, die nicht entlohnt werden: die Selbstorganisation in der von mir mitgegründeten SoLawi wuppen und auf dem Acker mit tätig sein, das gemeinsame Leben im Wohnprojekt gestalten, mein Geworden-Sein in dieser Gesellschaft reflektieren, gemeinschaftliche innere Arbeit… Die erste Commons-Sommerschule hat mein Leben verändert. Dort entdeckte ich den Commons-Blick auf die Welt. Ich begann zu begreifen, wie unser kapitalistisches Gesellschaftssystem auf mich wirkt, und wie ich stattdessen leben will. Endlich fühlte ich mich verstanden und nicht mehr ‚unpassend‘.
Nun habe ich mit dem Samenbau das passende Tätigkeitsfeld für mich gefunden. Nach meiner freien Ausbildung zur Biogemüsegärtnerin, mit Schwerpunkt auf Samenbau und -züchtung, möchte ich diese mich zutiefst erfüllende Tätigkeit nun möglichst commonsgemäß gestalten. Diesen Erfahrungsraum zwischen zukunftsweisendem Wirtschaften und erdendem Gemüsebau möchte ich in der Wegwarte auch anderen näherbringen. Im Team der Wegwarte sehe ich mich insbesondere als eine Hüterin des Gartens. Ich möchte einen Raum schaffen, in dem wir uns im Tun spüren und uns mit der Mitwelt wieder verbunden fühlen können; in dem wir unserer Verantwortung für diese Erde gerecht werden und in dem wir gemeinsam lernen, lauschen, forschen und staunen: über all die Geschenke, die uns unsere Mitwelt macht und die wir wahrnehmen können, sobald wir innehalten und zulassen, dass sie uns berührt.
Hauswirtschafterin, Kauffrau (Dipl.), Organisationstalent und Brückenbauerin
Ich komme aus einer Familie von Kaufleuten. Seit meiner Ausbildung und meinem Studium bin ich in unterschiedlichen Bereichen kaufmännisch tätig. Da liegt es nahe, dass ich mich in der Wegwarte hauptsächlich auch in diesem Tätigkeitsfeld gern engagiere. Mein zweites berufliches Standbein war die Beratung und Begleitung insbesondere junger Menschen im beruflichen Orientierungsprozess. Dabei lag der Fokus auf der Persönlichkeit und den Kompetenzen des jungen Menschen, nicht auf seinen Schulnoten.
Fürsorgendes Wirtschaften ist uns, meinem Lebenspartner und mir, in unserem Familienmikrokosmos mit sieben, inzwischen erwachsenen Kindern und sechs Enkelkindern, seit langem ein Anliegen. Dies bezieht auch unser Haus und unseren Garten mit ein. Mit anderen zu erforschen, was fürsorgendes Wirtschaften für einen Bildungsbetrieb mit großem Haus und Anwesen bedeutet, fasziniert mich. Mit meiner Vergangenheit und meinem Bewusstsein für einen notwendigen grundlegenden Wandel sehe ich mich als Brückenbauerin zwischen den Welten.